Fast jeder Ratgeber sagt dir denselben Satz: „Bau dir ein Freebie, dann kommen die E-Mail-Adressen von allein.” Und dann stehst du da, mit einem leeren Dokument und dem Gefühl, dass jetzt bitte etwas Großes entstehen soll. Ein E-Book. Ein Kurs. Irgendetwas, das nach Arbeit aussieht. Genau da geht es schon schief.
Ich habe selbst zu groß angefangen und viele Abende in ein Dokument gesteckt, das am Ende niemand zu Ende gelesen hat. Deshalb sage ich dir vorweg: Dein erstes Freebie darf klein sein. Klein und wirklich hilfreich schlägt groß und halbfertig, jedes Mal.
Ein Freebie ist keine Fleißaufgabe, mit der du zeigst, wie viel du weißt. Es ist ein einziges Versprechen, das du vollständig einlöst. Olga Reyes-Busch
Warum dein Freebie eine Gegenleistung ist
Kurz vorweg, weil es wichtig ist und dir später Ärger erspart. Ein Freebie fühlt sich für die andere Seite nach einem Geschenk an, ist aber keines. Wer sich einträgt, gibt dir seine E-Mail-Adresse, und die ist eine echte Gegenleistung. Du bekommst einen Kontakt, den du wieder ansprechen darfst. Das ist wertvoll, und deshalb ist es eben kein Geschenk im engen Sinn.
Für dich heißt das zweierlei. Erstens: Sei den Namen wert, den du einsammelst. Liefere so, dass die Person nicht sofort wieder aussteigt. Zweitens: Wirb nicht damit, dass die Sache nichts kostet. Das stimmt schlicht nicht, und es kann dir rechtlich auf die Füße fallen. „Freebie” ist das ehrliche Wort. Ich will hier keine Juristerei betreiben, nur den Hinweis geben: Sag klar, was du im Gegenzug möchtest, dann bist du auf der sicheren Seite.
So, jetzt zu den fünf Schritten.
Schritt 1: Ein kleines Problem wählen, das brennt
Der häufigste Fehler ist, alles auf einmal lösen zu wollen. Mach das Gegenteil. Such dir eine einzige Frage, die deine Zielgruppe wirklich umtreibt und die du sicher beantworten kannst. Nicht „Wie werde ich als Coach erfolgreich”, sondern „Wie schreibe ich eine Vorstellungs-E-Mail, auf die geantwortet wird”.
Die Faustregel: Wenn du das Problem in einem Satz beschreiben kannst und dabei jemand nickt, hast du es. Ein enges Thema klingt nach weniger, ist aber der Grund, warum sich jemand einträgt. Menschen suchen keine Enzyklopädie, sie suchen eine Antwort auf genau ihre Frage.
Schritt 2: Das kleinste Format wählen, das die Sache löst
Jetzt entscheidest du, in welcher Form die Hilfe kommt. Und hier gilt: so klein wie möglich. Eine Checkliste. Eine Vorlage zum Ausfüllen. Ein Spickzettel mit den zehn wichtigsten Punkten. Ein Zwei-Seiten-Guide. All das wird tatsächlich benutzt, und benutzt zu werden ist das ganze Ziel.
Das dicke E-Book klingt großzügig, landet aber meistens ungelesen im Download-Ordner. Und ein Freebie, das niemand öffnet, baut kein Vertrauen auf. Frag dich also nicht „Was kann ich alles reinpacken”, sondern „Was ist das Kleinste, das dieses eine Problem wirklich löst”.
Schritt 3: Den Inhalt mit künstlicher Intelligenz bauen
Hier wird es angenehm. Den Inhalt musst du nicht bei null aus dem Nichts stemmen. Das Wissen hast du meistens schon, es liegt in deinem Kopf, in alten E-Mails an Kundschaft, vielleicht in einem Blogartikel. Die Arbeit ist, das zu ordnen und in Worte zu bringen. Und genau diese Fleißarbeit gibst du ab.
Du beschreibst der künstlichen Intelligenz, für wen das Freebie ist, welches Problem es löst und welches Format du willst. Sie liefert dir eine Struktur, Formulierungen, die einzelnen Punkte deiner Checkliste. Du prüfst, streichst, schärfst nach. Aus einem vorhandenen Text lässt sich so, ohne grossen Aufwand, oft schon ein Freebie ableiten. Wie das Ableiten aus bestehendem Material funktioniert, habe ich im Beitrag über digitale Produkte aus einem Blogartikel genauer gezeigt. Und wenn dir grundsätzlich das Texten schwerfällt, hilft dir der Beitrag Content erstellen mit künstlicher Intelligenz beim Einstieg.
Alles, was ich hier beschreibe, läuft in ChatGPT genauso wie in Claude. Nimm das Werkzeug, das du schon hast. Das Ergebnis zählt, nicht der Name auf dem Knopf.
Schritt 4: Schlicht gestalten, mit Wiedererkennung
Jetzt bekommt dein Freebie ein Gesicht. Du musst keine Designerin sein und nichts überladen. Wichtiger als hübsch ist übersichtlich: klare Überschriften, Luft zwischen den Zeilen, deine zwei, drei Farben und dein Name drauf. Als PDF speichern, fertig.
Warum die Wiedererkennung? Weil das Freebie oft der erste Berührungspunkt ist. Wer es öffnet, soll ein Gefühl für dich bekommen und dich später wieder erkennen. Ein schlichtes, sauberes Dokument mit deiner Handschrift wirkt vertrauenswürdiger als ein bunt zusammengewürfeltes. Weniger ist hier wirklich mehr.
Schritt 5: Das Eintragen möglich machen
Das beste Freebie bringt nichts, wenn niemand herankommt. Also brauchst du zwei Dinge: ein Formular, in das die E-Mail-Adresse eingetragen wird, und einen Weg, wie das Freebie danach ankommt. Meistens läuft das über ein E-Mail-Tool, das die Adresse speichert und automatisch die Datei verschickt.
Achte dabei auf zwei ehrliche Punkte. Sag am Formular klar, dass die Person danach von dir hört, und hol dir die Zustimmung sauber ein. Und gib dem Ganzen einen Ort, an dem Menschen es überhaupt sehen. Ein guter Platz ist ein Blogartikel, der zum Thema passt, denn dort kommen genau die Leute vorbei, die dein Freebie brauchen. Wie so ein Blog dir dauerhaft Menschen zuführt, statt einmalig, habe ich im Beitrag über den Blog, der Geld verdient beschrieben.
Der ehrliche Teil
Dein erstes Freebie muss nicht perfekt sein. Es muss erst mal existieren. Die meisten scheitern nicht an der Qualität, sondern daran, dass sie nie fertig werden, weil es immer noch größer und besser werden soll. Fang klein an, stell es online, sieh zu, was passiert, und bessere nach.
Deine 5 Schritte auf einen Blick
- Ein kleines Problem wählen, das wirklich brennt, statt alles auf einmal lösen zu wollen.
- Das kleinste Format wählen, das die Sache löst, etwa eine Checkliste oder eine Vorlage.
- Den Inhalt mit künstlicher Intelligenz strukturieren und texten, aus deinem vorhandenen Wissen.
- Schlicht gestalten, mit deinen Farben und deinem Namen drauf, dann als PDF speichern.
- Ein Eintragefeld einrichten und dein Freebie an einem passenden Ort zeigen.
Und dann bleib dran. Ein Freebie ist der Anfang einer Beziehung, nicht ihr Ende. Wer sich eingetragen hat, hat dir Vertrauen geschenkt und einen Kontakt gegeben. Was du daraus machst, entscheidet sich in den Wochen danach. Kleines Format, echte Hilfe, ehrlicher Umgang mit der Adresse: Damit hast du mehr in der Hand als die meisten, die auf das große E-Book warten, das nie kommt.
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