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Claude-Grundlagen

EU AI Act: in 3 Schritten zur eigenen Risiko-Einordnung

Das Wichtigste in Kürze

  • Schritt 1: Kläre deine Rolle. Wer ChatGPT oder Claude nur nutzt, ist Betreiber und hat wenige Pflichten. Anbieter ist erst, wer ein eigenes KI-Produkt baut und verkauft.
  • Schritt 2: Ordne das Risiko ein. Alltägliches Texten, Sortieren und Ideenfinden fällt in die niedrigste von vier Stufen, ohne Formular und ohne Prüfstelle.
  • Schritt 3: Erfülle die zwei realen Pflichten. Mach künstlich erzeugte Inhalte erkennbar und bau ein Grundverständnis deiner Werkzeuge auf.

Setz dich einen Moment zu mir. Wenn du gerade mit künstlicher Intelligenz arbeitest und irgendwo aufgeschnappt hast, dass es da ein EU-Gesetz gibt, dann kennst du vielleicht dieses leise Ziehen im Bauch. Muss ich jetzt etwas tun? Mache ich schon alles falsch? Ich möchte dir dieses Ziehen nehmen, und zwar nicht mit einem Vortrag, sondern mit einem einfachen Weg, den du selbst gehen kannst.

Denn die gute Nachricht ist: Du kannst dein eigenes Werkzeug in drei Schritten selbst einordnen. Kein Fachwort-Nebel, keine teure Beratung für den Anfang. Ein Satz vorweg, den ich ernst meine: Das ist meine Einordnung als jemand, der Unternehmen dazu berät, keine Rechtsberatung. Für verbindliche Fragen gehörst du zu einer Anwältin.

Falls du den EU AI Act noch gar nicht kennst und erst einmal in Ruhe verstehen willst, worum es überhaupt geht, lies zuerst meinen Beitrag EU AI Act für Selbstständige: was du wissen musst. Dort nehme ich dir die grosse Angst. Hier machen wir etwas anderes: Wir setzen uns hin und ordnen dein konkretes Werkzeug Schritt für Schritt ein.

Ein Gesetz wirkt riesig, solange es abstrakt bleibt. Sobald du es auf dein eigenes Werkzeug anwendest, schrumpft es auf drei ehrliche Fragen zusammen. Olga Reyes-Busch

Schritt 1: Bist du Anbieter oder nur Betreiber?

Das ist die wichtigste Weiche, und sie klärt schon den grössten Teil deiner Sorge. Der EU AI Act unterscheidet zwischen dem Anbieter eines KI-Systems und dem Betreiber. Anbieter des Modells hinter ChatGPT, Claude oder der KI-Antwort bei Google sind die Firmen, die es gebaut haben. Nicht du.

Wenn du das Werkzeug einfach nutzt, um Texte zu schreiben, Ideen zu sortieren oder deinen Newsletter vorzubereiten, bist du Betreiber. Und als Betreiber sind deine Pflichten überschaubar. Frag dich für Schritt eins also ganz schlicht: Baue ich selbst etwas, das künstliche Intelligenz enthält, und verkaufe es weiter? Oder nutze ich fertige Werkzeuge für meine eigene Arbeit?

Nutzt du nur, bist du Betreiber, und du kannst entspannt zu Schritt zwei gehen. Baust du dagegen ein eigenes Feature oder Produkt, das auf künstlicher Intelligenz aufsetzt, und gibst es an andere weiter, dann rutschst du in die Anbieterrolle und trägst mehr Verantwortung. Für die allermeisten von uns, die künstliche Intelligenz als Assistenz im eigenen Kopfbetrieb einsetzen, gilt das nicht. Merk dir den Satz: nutzen ist etwas anderes als anbieten.

EU AI Act: Notizbuch und Tasse auf dem Teakdeck eines Segelboots

Schritt 2: In welche Risikostufe fällt dein Einsatz?

Jetzt schaust du dir an, was du mit dem Werkzeug tatsächlich tust. Der EU AI Act sortiert nach Risiko, nicht nach Branche und nicht nach Firmengrösse. Es gibt vier grobe Stufen, und du prüfst sie von oben nach unten.

Ganz oben stehen verbotene Praktiken, etwa das heimliche Manipulieren von Menschen oder Bewertungssysteme, die Menschen sozial einstufen. Darunter kommt Hochrisiko: künstliche Intelligenz, die über wichtige Dinge im Leben von Menschen mitentscheidet, zum Beispiel beim Sichten von Bewerbungen oder bei der Kreditwürdigkeit. Dann folgt eine Stufe mit Transparenzpflichten. Und ganz unten das minimale Risiko.

Jetzt die ehrliche Einordnung für den Alltag: Verkaufstexten, Brainstorming, Zusammenfassen, das Ableiten von Pins aus einem Blogartikel, all das landet in der untersten Stufe. Kein Formular, keine Registrierung, keine Prüfstelle. Wer dir etwas anderes einreden will, verkauft entweder Angst oder eine Beratung, die du für diesen Fall nicht brauchst. Wie du künstliche Intelligenz seriös und mit Verstand einsetzt, ohne dich verrückt zu machen, habe ich im Beitrag künstliche Intelligenz im Business seriös beschrieben.

Ein Grenzfall zum Aufpassen: Wenn du künstliche Intelligenz einsetzt, um über Menschen zu entscheiden, etwa Bewerbungen automatisch vorzusortieren, verlässt du die unterste Stufe. Das machen die meisten Solo-Selbstständigen nie. Aber es lohnt sich, die Frage einmal ehrlich mit sich selbst zu klären.

Schritt 3: Welche zwei Pflichten bleiben für dich?

Wenn du wie die meisten in der untersten Stufe gelandet bist, bleiben genau zwei Dinge, die dich praktisch betreffen. Beide sind vernünftig, keins ist Bürokratie.

Das Erste ist Kennzeichnung. Veröffentlichst du Inhalte, die von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden, sollen Menschen das erkennen können. Für rein künstlich erzeugte Bilder und Videos und für Chatbots auf deiner Seite ist eine erkennbare Kennzeichnung vorgesehen. Bei Texten, die du selbst prüfst, überarbeitest und mit deinem Namen verantwortest, ist die Lage entspannter. Mein Rat unabhängig vom Gesetz: Sei offen damit, wo eine Maschine dir geholfen hat. Menschen verzeihen die Hilfe gern. Was sie dir übelnehmen, ist das Gefühl, getäuscht worden zu sein.

Das Zweite ist KI-Kompetenz. Das klingt nach Zertifikat, meint aber ein Grundverständnis: Wisse grob, wie dein Werkzeug arbeitet, dass es Dinge erfindet, wenn es sie nicht weiss, und dass du Zahlen, Namen und Zitate vor dem Veröffentlichen prüfst. Genau dieses Grundverständnis baust du dir auf, wenn du dein Werkzeug einmal richtig einrichtest. Wie das geht, zeige ich dir im Beitrag Claude für dein Business einrichten.

EU AI Act: Aufgeräumtes Deck mit Notizbuch, Tasse und Kompass

Halt deine Einordnung kurz fest

Ein letzter Handgriff, der dir viel Ruhe schenkt: Schreib dir das Ergebnis deiner drei Schritte in ein paar Zeilen auf. Welche Werkzeuge du nutzt, dass du Betreiber bist, in welcher Risikostufe deine Arbeit liegt und wie du künstlich erzeugte Inhalte kennzeichnest. Das ist keine amtliche Meldung, sondern eine Notiz für dich. Sie beweist ganz nebenbei, dass du dein Grundverständnis aufgebaut hast, und sie beruhigt dich selbst, wenn die Frage wiederkommt.

Wo genau die Fristen für die einzelnen Pflichten liegen, sortiert sich noch in Stufen. Wenn du ein festes Datum brauchst, schau in die Originalquellen, die ich dir unten verlinkt habe, statt dich auf eine Zahl aus einem Blogartikel zu verlassen. Auch nicht auf meine.

Deine Einordnung auf einen Blick

  1. Kläre deine Rolle: Nutzt du künstliche Intelligenz nur für deine eigene Arbeit, bist du Betreiber und musst dir um vieles keine Gedanken machen.
  2. Schau dir dein tägliches Tun an und ordne es der passenden Risikostufe zu. Texten, Sortieren und Brainstormen liegen fast immer ganz unten.
  3. Kennzeichne künstlich erzeugte Inhalte dort, wo sie auffallen, etwa bei reinen KI-Bildern, Videos oder einem Chatbot auf deiner Seite.
  4. Bau dir ein Grundverständnis deines Werkzeugs auf, damit du weißt, wann du ein Ergebnis prüfen musst.
  5. Halt das Ergebnis in ein paar Zeilen für dich selbst fest, das reicht als Beleg für dein Grundverständnis.

Und wenn du diese Fragen nicht allein mit dir ausmachen willst, sondern mit Menschen, die genau wie du an allem gleichzeitig sitzen: In meiner Skool-Community sprechen wir über den seriösen Einsatz von künstlicher Intelligenz, über Werkzeuge und über den Umgang mit Regeln wie dieser. Ohne Angstmache, in normalem Deutsch. Komm gern dazu, wenn dir das guttut.

Olga Reyes-Busch
Sonnige Grüße, Olga

Tausch dich mit anderen aus, die Claude für ihr Business nutzen.

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Häufige Fragen

Wie ordne ich mein KI-Tool in 3 Schritten nach dem EU AI Act ein?

Schritt eins: Kläre, ob du das Werkzeug nur nutzt (Betreiber) oder ein eigenes KI-Produkt baust und verkaufst (Anbieter). Schritt zwei: Ordne das Risiko ein, alltägliche Nutzung fällt in die niedrigste Stufe. Schritt drei: Erfülle die zwei realen Pflichten, Inhalte kennzeichnen und Grundverständnis aufbauen. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Bin ich Anbieter oder Betreiber, wenn ich ChatGPT oder Claude nutze?

Wer die Werkzeuge nur für Texte, Ideen und E-Mails nutzt, ist Betreiber. Anbieter des Modells sind die Firmen, die es gebaut haben. Erst wenn du selbst ein Produkt oder Feature baust, das auf künstlicher Intelligenz aufsetzt, und es an andere verkaufst, rutschst du in die Anbieterrolle.

In welche Risikoklasse fällt meine tägliche Arbeit mit künstlicher Intelligenz?

Verkaufstexten, Zusammenfassen, Brainstorming und Sortieren fallen in die niedrigste der vier Stufen, das minimale Risiko. Kein Formular, keine Registrierung, keine Prüfstelle. Hochrisiko meint Anwendungen, die über Bewerbungen oder Kreditwürdigkeit mitentscheiden, nicht deinen Newsletter.

Muss ich meine KI-Einordnung dokumentieren?

Eine formale Zulassung brauchst du für minimales Risiko nicht. Sinnvoll ist trotzdem eine kurze Notiz für dich selbst: welches Werkzeug du wofür nutzt, welche Rolle du hast und wie du künstlich erzeugte Inhalte kennzeichnest. Das schafft Ruhe und belegt dein Grundverständnis.

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